Warum engagiert man sich für Europa?

Der Kölner JU-Chef Finn Meurer leitet den Europawahlkampf in seiner Stadt. Sein Lieblingsthema ist das Roaming.

Von Hanna Kazmirowski, Gloria Timm; 27.04.19

Hochgewachsen ist er, blond und kurzhaarig. Sein Händedruck bei der Begrüßung in der Geschäftsstelle der CDU in der Kölner Innenstadt ist kräftig. Er führt durch nach frischer Farbe riechende Räume zum Konferenzsaal, in dem CDU-Wahlplakate an der Wand hängen. Gegenüber von uns setzt sich unser Gesprächspartner lässig auf einen Tisch.

Die Rede ist von Finn Meurer, dem Kreisgeschäftsführer der Jungen Union in Köln. Dem 22-Jährigen ist nicht anzusehen, dass er mehr ist als ein gewöhnlicher International-Business-Student, doch wenn er spricht, ist sein großes politisches Wissen nicht zu überhören. Er interessiert sich bereits seit seinem 14. Lebensjahr sehr für Politik. Neben seinen JU-Tätigkeiten arbeitet er auch Teilzeit für den ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Ein junger Mensch, der sich ehrenamtlich für die aktuelle Politik engagiert. „Sehr viel Arbeit“  ist das, sagt er.

Wie kommt man dazu, sich in so jungen Jahren auf diese Weise in das komplexe politische Leben zu begeben und sich für Europa zu engagieren? Zum einen, erzählt Finn – er fühlt sich noch zu jung zum Siezen –, weil er in Südfrankreich geboren und aufgewachsen ist und zum anderen, weil er gemerkt hat, „wie toll es ist, dass wir nach Frankreich, nach Holland, wohin auch immer“ fahren können, ohne Roaming zu bezahlen oder uns Grenzkontrollen unterziehen zu müssen. Das Roaming ist sowieso sein Lieblingsthema: „Weil das für jeden verständlich ist“. Sein Fokus liegt derzeit auf den anstehenden Europawahlen.

Schwierige Zeiten – Was motiviert Finn trotzdem zu seinem Engagement?

Nicht nur wegen seiner französischen Herkunft ist er ist ein großer Europa-Befürworter. Auch aufgrund von politischen und wirtschaftlichen Aspekten liegt ihm viel daran, sich für ein geeintes Europa einzusetzen. Was ihn motiviert, langfristig seine Arbeit fortzusetzen, ist der Aufstieg radikaler Kräfte. „Man muss selbst aktiv werden, um gegen Rechts- und Linkspopulisten vorzugehen“, ist sich Finn sicher, denn diese EU-Gegner „wollen den Kontinent spalten“.

Auch wegen der Stärke der Staaten auf internationaler Ebene unterstützt er den europäischen Zusammenhalt. Finn sagt: „Wir müssen uns in Europa außenpolitisch zusammenschließen, um  bestehen zu können“. Vor dem Hintergrund, dass die Deutschen nur 1 Prozent der Weltbevölkerung  ausmachen und somit niemals allein auf Augenhöhe mit anderen Nationen wie China, Russland und den USA ständen, fühlt sich Finn in seiner Meinung bestätigt.

Die ökonomische Perspektive stützt seine proeuropäische Position ebenfalls:  Deutschland ist ein wichtiges Exportland und der Euro als gemeinsame Währung macht den Handel sehr viel einfacher. Dass jeder vierte Deutsche in der Exportwirtschaft arbeitet, „zeigt einfach, dass wir in Europa keine Grenzen brauchen, sondern Freizügigkeit“, meint Finn. Ihm ist wichtig, dass die Europäer „in Vielfalt geeint“ sind – wenn es nach dem JU-Chef geht bis 2040. Konkret liegt dem Mitglied der Konservativen außerdem mehr Demokratie in Europa am Herzen. Finn lächelt freundlich. Sein Hemd ist leicht zerknittert. Den obersten Knopf hat er aufgelassen. Er trägt weder Sakko noch Krawatte.

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Finn ist Europa-Fan.

Die aktuelle Lage der EU

„Viele sagen, Europa sei weit weg und die eigene Stimme zähle nicht“, erzählt Finn mit hochgezogenen Schultern. Dass sich so wenig Menschen für Europa begeistern, liege an Missverständnissen. Bei der Bevölkerung kämen oft nur die banalen Themen aus Brüssel  an. Viele Wähler hätten  das Gefühl, dass in der Europapolitik lokale und alltägliche Probleme der Bevölkerung vernachlässigt werden, während sich Politiker in Brüssel mit „Bananen- und Gurkenverordnungen“ beschäftigen. Finn lächelt schief.

Außerdem kritisieren viele Menschen die Bürokratie in Brüssel, sagt Finn. Dass diese Anschuldigung nicht gerechtfertigt ist, zeigt sich zum Beispiel anhand der Beamtenzahlen in den Städten: Während in Belgiens Hauptstadt 20 000 Beamte für die EU arbeiten, sind es allein 100 000  für die Stadt Köln, weiß Finn. Um wieder mehr Zustimmung für Europa im Volk zu gewinnen, fordert er, dass die EU mehr in Erscheinung tritt, um in den Köpfen der Menschen ein klareres Bild ihrer Funktion und Arbeit abzubilden. Dann verstehen die Menschen die Bedeutung dieser Zusammenarbeit und setzen sich dafür ein.  

Wie kannst du dich für Europa engagieren? Clara erklärt es dir:

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Finns persönlicher Einsatz für die EU

Um all seine Visionen und Wünsche für eine gute Zukunft Europas zu verwirklichen, weiß Finn, dass gehandelt werden muss. Die simpelste Art Engagement zu zeigen, ist wählen zu gehen. So sieht es der junge Geschäftsführer. Finn ist sich bewusst, dass jede Stimme eine Wirkung hat und möchte daher vor allem junge Menschen zum Wählen anregen. Um dazu aufzurufen, wirkt er in vielerlei Art beim Wahlkampf für die Europawahl mit: von interaktiven Aktionen bei Ständen auf der Straße bis hin zur Einladung von Mandatsträgern. Das ist es ihm wert, viel Zeit neben seinem Studium für die Planung von Meetings und Straßenaktionen zu investieren. Er hat dafür auch ein eigenes Büro in der Geschäftsstelle.

Am Ende fasst er noch einmal zusammen: „Ich finde es cool, wenn man sich überhaupt politisch engagiert, egal ob bei politischen Bürgerbewegungen wie #FridaysForFuture oder parteipolitisch wie zum Beispiel in der JU“.  Letztendlich sei doch eines wichtig: „Wir kämpfen für Europa. Wir kämpfen dafür, dass Europa geeint bleibt und geschützt wird vor inneren und äußeren Kräften.“


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