Was wünschen sich Klima-Streikende für Europa?

© Fidays For Future/ Pressegalerie

Seit dem ersten Klimastreik der Schwedin Greta Thunberg ist die Bewegung „Fridays For Future“ international gewachsen und deutlich konkreter geworden: In Deutschland etwa wurde am 8. April ein Forderungspapier von Fridays-For-Future vorgestellt. Doch was verlangen streikende Jugendliche für die kommende Europa-Wahl?

Von Loraine Jakob, Amanda Herbster und Lotte Ziegler

Wir haben sechs Jugendliche aus ganz Deutschland gefragt, was sie klimapolitisch für die Europawahl am 26. Mai fordern. Sie alle gingen mehrmals freitags nicht in die Schule, um stattdessen für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Die offiziellen Forderungen der Schüler- und Studierendenbewegung wurden am 8. April im Berliner Naturkundemuseum präsentiert. Sie sind laut Fridays-For-Future das Ergebnis intensiver Gespräche mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen sowie den Regionalgruppen und beziehen sich vor allem auf das sogenannte 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Das heißt, dass die durchschnittliche Temperatur langfristig nicht über 1,5°C gegenüber dem Niveau vor der Industrialisierung steigen darf. Dazu müsse zum Beispiel ein Viertel der Kohlekraftwerke bis Ende des Jahres abgeschaltet und der Ausstoß von Treibhausgasen durch Steuern stark eingedämmt werden, erklärten die vier Jugendlichen auf der Pressekonferenz. Außerdem fordern sie den deutschlandweiten Kohleausstieg bis 2030, um ab 2035 die komplette Energieversorgung über erneuerbare Energien zu regeln.

Was hat das mit Europa zu tun?

Das Europaparlament kann zwar keine direkt bindenden Gesetze für Europa verabschieden, spielt aber gerade in der Klimapolitik eine wichtige Rolle: Es darf nämlich Richtlinien erlassen, die die Rahmengesetze für alle Mitgliedsstaaten bilden und dort innerhalb einer bestimmten Frist in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Ein Beispiel dafür ist die Einweg-Plastikrichtlinie, über die das Parlament im März abstimmte.

Daher wollen viele Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten mit der EU-Wahl stärkere Maßnahmen für die Eindämmung der Erderwärmung. „Europawahl muss Abstimmung über Klima sein“, schrieb etwa das Greenpeace-Magazin Mitte April. Durch die Schulstreiks nach Greta Thunberg sei Klima in den globalen Fokus gerückt, nun gelte es, das Thema auch in der Politik zum Topthema zu machen.

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Erstmals streikte die heute 16-jährige Greta Thunberg am 20. August letzten Jahres. Mit ihrem charakteristischen Schild, auf dem in großer, schwarzer Schrift „SKOLSTREJK FOR KLIMATET“ steht, setzte Thunberg sich vor das schwedische Parlament. Drei Wochen lang protestierte sie dort täglich für den Klimaschutz, statt in die Schule zu gehen. Mittlerweile ist sie als wohl bekannteste Klimaschutzaktivistin das Gesicht der Fridays-For-Future-Bewegung und mit ihr demonstrieren tausende weitere Jugendliche überall auf der Welt verteilt. Nicht alle sind von ihrem Eifer überzeugt. So zum Beispiel Christian Lindner (FDP): Der Parteichef der FDP behauptete Anfang März auf Twitter, Klimapolitik sei „eine Sache für Profis“. Schüler und Schülerinnen sollten zur Schule gehen, statt während des Unterrichts zu streiken – andernfalls liege ein Regelbruch vor.

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Christian Lindner (FDP) kritisierte die Bewegung

„Eine sehr gute Initiative“

Doch die Jugendlichen bekamen aus dem Bundestag nicht nur Gegenrede: Kanzlerin Angela Merkel etwa stellte sich Anfang März hinter die Klima-Bewegung. „Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen“, erklärte sie in ihrem Videopodcast. Fridays For Future sei „eine sehr gute Initiative“, denn für das Erreichen der Klimaziele bräuchte man Rückhalt aus der Gesellschaft. Auch Justizministerin Katarina Barley lobte das Engagement der Jugendlichen via Twitter und sprach sich für eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre aus. In einigen Bundesländern fanden Anfang April sogenannte Jugend-Klimakonferenzen statt, die Schülerinnen und Schüler auf Workshops zum Thema Klimaschutz und Gespräche mit der Landesregierung einluden.

Wissenschaft und Eltern solidarisieren sich

Auf den wöchentlichen Klimademos laufen auch immer mehr Erwachsene mit: Unter dem Namen Parents For Future solidarisieren sich seit Ende Februar Eltern und Großeltern mit den streikenden Schülerinnen und Schülern. Über Social Media und offene Briefe an Schulen wollen sie den Jugendlichen Rückhalt geben, sind aber auch auf vielen Demonstrationen vertreten. Über 7.000 Follower zählt der Twitter-Account der Parents For Future Deutschland derzeit, ungefähr viermal so viele folgen Fridays For Future.

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gründeten Anfang März eine Bewegung zur Unterstützung der Klimastreiks. Im Fokus von Scientists For Future steht eine öffentliche Stellungnahme, die mehr als 26.800 Menschen bereits online unterzeichnet haben. Darin unterstreichen sie die Forderungen von Fridays For Future und sprechen sich für eine „konsequentere Klimapolitik“ aus.

Wie geht´s jetzt weiter?

Für die Zukunft sind noch weitere Aktionen von Fridays For Future geplant: „Wir streiken weiter, bis ihr handelt!“ lautet das Motto. Die nächste größere Demonstration läuft am 27. September. Hier rufen Aktivistinnen und Aktivisten zum globalen Earth Strike auf, an dem nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Studierende und Angestellte vormittags für das Klima demonstrieren.

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Die Autorinnen sind selbst Teil der Bewegung und waren mehrmals auf Fridays-For-Future-Demonstrationen.

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